Was ist das spirituelle Ego?

 

Was ist das spirituelle Ego?

 

Ganz einfach gesagt: solange du nicht aus dem Einheitsbewusstsein heraus wahrnimmst, lebst du von der Perspektive des Egos aus. Und Einheit nicht als ein Gedanke/Idee, sondern als erlebte, reale Erfahrung dessen, dass alles eins ist. Die Perspektive des Egos ist Trennung. Ich bin ein getrenntes Individuum in einer Welt, also Ich gegen/getrennt von die Welt. Das spirituelle Ego ist vereinfacht gesagt: spirituelle Konzepte/Ideen/Wahrheiten nutzen, um die Trennung aufrecht zu erhalten, aber sich selbst vorzumachen, man wäre schon "weit entwickelt" oder im ausgeprägtesten Fall: "man wäre schon erleuchtet".

 

Gleich vorweg:

jeder, der/die sich mit Spiritualität beschäftigt, hat ein spirituelles Ego...mehr oder weniger ausgeprägt, mehr oder weniger offensichtlich. Denn das Ego nutzt alle Bereiche, um die Trennung aufrecht zu erhalten. Es hört unsere Gespräche mit, liest jedes spirituelle Buch mit, sitzt mit uns im Retreat und zieht Schlußfolgerungen, die ihm selbst dienen. Es gibt im esoterischen Bereich auch viele Lehrer/Bücher/Lehren, die das spirituelle Ego nähren.

Es ist einfach hilfreich, dies zu durchschauen und bei sich selbst zu erkennen. Von den aufgezählten Merkmalen werden ein paar auf dich zutreffen, andere nicht.

 

So erkennst du in dir das spirituelle Ego:

  • Du fühlst dich überlegen oder besser als andere
  • Du misst innerlich/heimlich immer, "wie weit du bist" in deiner Entwicklung, im Vergleich zu anderen
  • Du glaubst, zu allem "Ja und Amen" sagen zu müssen, weil ein guter Mensch das so macht. Du setzt keine Grenzen und kannst nicht nein sagen
  • Du unterdrückst negative Gefühle, weil diese "unspirituell" sind
  • Du glaubst, dem besten Lehrer/Weg/Lehre zu folgen oder Teil der besten spirituellen Gruppe (Sangha) zu sein, die oft auch Absolutheitsanspruch hat (kann auch eine Ernährungsweise oder Heilweise sein)
  • Du glaubst, eine alte Seele zu sein
  • Du willst besonders sein
  • Du willst gesehen werden
  • Du willst dich aus der Welt zurückziehen und nichts mit ihr zu tun haben
  • Du verurteilst dich und andere wegen unspirituellem Verhalten
  • Es gibt in dir versteckte Arroganz, Besserwissen und Vergleichen
  • Du hast ein Verlangen nach außersinnlichen Fähigkeiten (Siddhies), bist stolz auf eigene und/oder bewunderst diese bei anderen
  • Du bist beeindruckt von Heilfähigkeiten oder Manifestationskünsten
  • Du tust Gutes, um ein guter Mensch zu sein
  • Du benutzt spirituelle Praxis/Meditation/Yoga/sattvischer reiner Lebensstil, um dich besser, überlegen zu fühlen oder um Perfektion zu erlangen
  • Du glaubst, von einem anderen/besseren/besonderen Planeten abzustammen und nur durch Zufall/Fehler hier auf der Erde gelandet zu sein
  • Du besuchtst zwanghaft Kurse/Retreats am laufenden Band
  • Du versteckst negative Verhaltensweisen (Schatten), weil sie unspirituell sind
  • Es besteht in deinem Erleben eine Trennung zwischen Alltag und Spiritualität
  • Du hast genaue Vorstellungen/Ideen von Perfektion, Heiligkeit und Gott
  • Du glaubst an das Konzept von Gut und Böse, Gott und Teufel
  • Du glaubst, erleuchtet zu sein und allen anderen überlegen/voraus zu sein

 

Das Erkennen ist also schon mal ein wichtiger, erster Schritt. KEINESFALLS darfst du dich dafür verurteilen oder das Erkannte in dir ablehnen! Das nährt das Ego nur und kommt selbst vom Ego! Begegne allem mit Offenheit, Annahme und bedingungsloser Liebe. Finde die Ebene in dir, der neutral/offen/liebevoll auf ALLES schaut, was sie sieht (in dir und in der Welt), dabei aber verbunden ist und alles einschließt.

 

Mach folgende Übung:

1. Atme ein paar Mal tief ein und aus und folge dabei deinem Atem

2. Zentriere dich nun in deinem Herzen und atme Liebe ein und aus, bis sich dein Herz ganz weich, offen und liebevoll anfühlt. Es ist wichtig, dass du das spürst und nicht nur ein mentaler Gedanken Prozess ist. Falls dir dieser Schritt schwer fällt, bleibe dabei und übe bevor du zum nächsten Schritt gehst

3. Richte deine Aufmerksamkeit jetzt auf eine Verhaltensweise deines spirituellen Egos, die dir bewusst wurde

4. Betrachte diese Verhaltensweise von deinem offenen, liebevollen Herzen aus und atme weiter Liebe ein und aus und nimm diese Verhaltensweise mehr und mehr in dein Herz, bis sie sich von selbst auflöst (das kann man nicht erzwingen oder manipulieren, es passiert von selbst und darf kein "weghabenwollen" enthalten).

 

 

Was kannst du noch tun:

1. Übe dich in Hingabe, Demut und Dienen! Und zwar dem Leben gegenüber, allem, was dir tagtäglich begegnet. Das ist nur mit Offenheit möglich.

2. Unterstelle dich dem Großen Ganzen.

3. Lasse alle Urteile los! Es gibt kein besser oder schlechter.

4. Decke deine Schatten auf und integriere sie.

5. Fasse die Absicht, auch wenn du keine Ahnung hast, wie das geht, die Einheit in allem erkennen zu wollen. Die klare Absicht ist das Wichtigste.

6. Hüte dich davor, das spiriuelle Ego anderer zu analysieren, bleib ganz bei dir!

 

 

 

 

 

 

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