Fortsetzung: 3 Jahre Rückzug und Satsang....

 

Hier folgt also die Fortsetzung des Gespräches...

 

F: Was ist Satsang denn eigentlich genau? 

 

A: Das Wort Satsang kommt aus dem Sanskrit und die Bedeutung ist: Sat = Wahrheit, wahr und sang(a) = Gemeinschaft. Das heißt, Menschen sitzen "in Wahrheit" zusammen oder mit dem Fokus auf Wahrheit könnte man auch sagen. In der Regel bedeutet es, wenn jemand Satsang anbietet, dass er oder sie voll erwacht ist und daher "befugt" über die Wahrheit zu sprechen und denjenigen, die noch auf der Suche sind, Fragen zu beantworten. Es ist also meist in Dialogform mit Fragen und Antworten. Ramana Maharshi, der Weise vom Berg Arunachala, den ich letztes Mal schon erwähnt habe, sagt, dass die beste Lehre ist, mit einem Erleuchteten in Stille zusammen zu sitzen, ohne Worte. Wobei auch er immer wieder gesprochen hat. Das liegt daran, dass man "reif" sein muss, um die Stille "aufnehmen" zu können. Die meisten Sucher brauchen noch Erklärungen und haben viele Fragen.

 

F: Das bringt mich gleich zu meiner nächsten Frage: du sagtest ja, es habe dich gleich zu diesem Berg in Indien hingezogen, aber es hatte noch gedauert, bis es dann soweit war? 

 

A: Ja, es dauerte 9 Monate nach dem besagten Retreat, bis ich das erste Mal nach Indien kam. Allerdings vorerst nur in den Norden, nach Rishikesh. Erst Winter darauf klappte es, dass ich Tiruvannamalai im Süden von Indien besuchen konnte. Ramana Maharshi hat dort fast sein ganzes Leben verbracht, nachdem er im Alter von 16 Jahren die Erleuchtung fand. Dieser Berg Arunachala ist schon seit Urzeiten heilig und es gibt dort noch den Ashram, in dem Ramana gelebt hat. Keine Frage: für mich ist das ein wirklich heiliger Platz und ich kann jedem ernsthaften Wahrheitssucher einen Besuch dort ans Herz legen. Beziehungsweise ist es so, dass der Berg einen zu sich ruft und man einfach spürt, dass man "dort hin muss". 

 

F: Du hast jetzt schon öfter den Begriff "Erwachen" verwendet, aber bei Ramana Maharshi sagtest du, er habe die Erleuchtung gefunden. Gibt es da also einen Unterschied zwischen Erwachen und Erleuchtung? 

 

A: Aus meiner Sicht ja. Es gibt viele Menschen, die erwacht sind, sprich, die eine oder mehrere Einsichten in die Wahrheit oder Teile der Wahrheit gehabt haben/haben. Allerdings ist damit noch lange nicht das ICH unwiderruflich zerstört. Erst wenn das der Fall ist, kann man sagen, derjenige sei erleuchtet. Zumindest verwende ich die Begriffe so. Es kann aber gut sein, dass manche Lehrer die beiden Begriffe auch gleichwertig verwenden. Erleuchtete gibt es aus meiner Sicht nur wenige, aber Erwachte viele. 

 

F: Na gut, das leuchtet ein ;-) Sag mal, hast du jetzt wieder einen Lehrer, nachdem du ja den anderen nach zwei Jahren verlassen hast? 

 

A: Ja, ich sehe Ramana Maharshi und Arunachala ganz klar als meine Lehrer an. Daneben gehe ich auch zu Satsangs von zwei Lehrern und lese Bücher und schaue Videos an. 

 

F: So laienhaft wie ich das verstehe, wie gesagt, ich kenne mich ja mit Advaita nicht aus, ist es da aber doch schon so, dass man einen Lehrer braucht, oder?

 

A: Ja, das ist auch ein größeres Thema, das werde ich sicher in Zukunft mal ausführlicher behandeln. Nur soviel kurz dazu: solange noch ein ICH da ist, muss man die Wahrheit hören. Entweder live von einem Erleuchteten oder aus Büchern und alten Texten. Das Hören der Wahrheit reicht jedoch nicht aus, man muss sich selbst erforschen, solange das ICH nicht vollständig verschwunden ist. Ein Lehrer, der selbst von der Wahrheit aus spricht, kann auf dem Weg helfen.  

 

F: So und was ist jetzt für dich das Fazit nach 3 Jahren Auszeit und Satsang?

 

A: Das Resümee ist, dass es noch zu früh für ein Resümee ist (lacht). Der "weglose" Weg (pathless path) ist noch nicht zu Ende. Ich vertraue dem Prozess. 

 

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